7 Dinge, die StudiVZ braucht

Als aktiver StudiVZ Nutzer, der auch ein wenig die Internetszene, besonders was Social Networks betrifft, verfolgt, habe ich mir ein paar Gedanken zu StudiVZ gemacht.

Im März habe ich noch über „I’m gettin bored of Facebook“ geschrieben. Damals habe ich kritisiert, dass der News-Feed im Facebook nur noch Werbung für Applikationen ist und somit als Spam wahrgenommen wird. Folge, keiner schaut sich den Newsfeed mehr an und relevante Infos wie z.B. was die Freunde machen sind untergegangen. Folge: Facebook war weniger ein Social Network. Der soziale Aspekt ging weiter in den Hintergrund.

Nun, seit ca. zwei Wochen bekomme ich seit langem wieder ständig neue Freundesanfragen. Was ist passiert? Liegt es daran, dass Facebook jetzt Deutsch spricht? Nein! Die Anfragen kamen zum Großteil aus dem Ausland. Der Grund ist, dass Facebook jetzt den sozialen Aspekt wieder in den Mittelpunkt gestellt hat:

1) Newsfeed wurde „entspamt“: Ich sehe jetzt nur noch was meine Freunde machen (Fotos, neue Freunde etc.) und auch der Applikation Spam taucht gar nicht mehr auf.

2) Facebook hat ein neues Feature: „Leute, die du vielleicht kennst“. Das sind Freunde von meinen Freunden, die viele gemeinsame Freunde mit mir haben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich diese Person auch kenne, wenn auch nur oberflächlich. Auch ich habe dadurch schon 10-20 neue Freunde gefunden.

3) Facebook Chat ist natürlich auch ein nettes Feature, was den sozialen und kommunikativen Bedürfnissen von Social Network Nutzern entgegen kommt.

Was leite ich daraus für StudiVZ ab, die ja schon etwas hinterhinken?

  1. Gestern wurde ja bekanntgegeben, dass man OpenSocial beitritt. Ein Schritt in die richtige Richtung. StudiVZ braucht Applikationen. Sonst sinkt die Klickrate im StudiVZ weiter.
  2. CEO Marcus Riecke hat in einem FAZ Interview gesagt, dass man die Applikationen sorgfältig auswählt, die auf StudiVZ zugelassen werden. Ebenfalls gut, damit es nicht 50 000 Applikationen gibt, von den sich am Ende nur ganz, ganz wenige durchsetzen. Diese Aufgabe des Filterns sollte man ausnahmsweise nicht den Usern überlassen, sondern sollte das Management übernehmen.
  3. Zusammen mit dem Zulassen von Applikationen braucht StudiVZ aus zwei Gründen UNBEDINGT einen Newsfeed:
    1. Zum einen leveraged man damit die Aktivität der User. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, was meine Freunde machen, wenn ich mir ihre Profile anschaue. Ich weiß nur wer es upgedated hat und wer neue Fotos hochgeladen hat. Aber sonst bekommt man nichts mit. Ein Newsfeed zu implementieren dürfte sich auch vom IT-Aufwand in Grenzen halten.
    2. Die Applikationsentwickler brauchen den Newsfeed, damit sich die Applikationen so schnell verbreiten, dass sie die kritische Masse erreichen. Da das Management ja wohl die Applikationen selektiert, ist die Gefahr des Spams auch gering.
  4. StudiVZ braucht auch eine Chat Funktion. Wie oft lese ich, dass der und der Freund online ist. Gerade Freunde, die man nicht im IM hat kann man so ansprechen. Auch das dürfte die Aktivität der User massiv steigern.
  5. Die „Kennst Du schon…?“ Sache, mit den drei Personen ganz rechts auf der persönlichen Startseite, ist ein Witz. Ich habe noch nicht ein einziges Mal auf eine von diesen fremden Personen geklickt. Ich habe viele Freunde gefragt, die das genauso sehen. Statt dessen würde ich „Leute die dur vielleicht kennst“ (wie oben beschrieben) plazieren. Da sieht man dann wenigstens ab und an eine Person, die man wirklich kennt und noch nicht als Freund auf StudiVZ hat.
  6. Bis jetzt ist StudiVZ „nur“ ein Social Network, bei dem man fast nur oder zum Großteil Freunde hat, die man offline kennt. Ein Feature oder eine Applikation die das Kennenlernen von neuen Studenten ermöglich, wäre ein zusätzlicher Nutzen, die sonst nur Dating Portale bieten. Warum nicht eine Art Dating oder Flirt Applikation einbinden? Facebook hat da viele Applikationen, von denen aber noch keins von allen Nutzern genutzt wird.
  7. Ein “Google AdWords” :-) Google hatte damals auch ein geniales Produkt: Suche. StudiVZ und Facebook haben auch ein geniales Produkt. Aber beide bzw. kein Social Network hat bis jetzt sein Goolge Adwords. Also der Knaller der ein Social Network so viel Umsatz bringt, dass man sagen könnte Facebook ist das neue Google.

Man darf gespannt sein, was die nächste Zeit bei StudiVZ passiert. Die Gefahr des Überlaufens der Nutzer zu Facebook sehe ich jedoch nicht. Es sei denn die Server bei StudiVZ fallen aus. :-)

11 Antworten zu “7 Dinge, die StudiVZ braucht”


  1. 1 mysnow Mai 14, 2008 um 1:25 Uhr nachmittags

    Hi,

    toller Artikel und ich sehe das genauso. Die Idee mit der “Dating” Applikation finde ich klasse und sollte man zu Herzen nehmen. Hoffentlich schaut mal ein studiVZ Mitarbeiter rein und nimmt die Idee mit ;)

    Grüße,
    snow

  2. 2 Lubinetzki Mai 14, 2008 um 5:03 Uhr nachmittags

    Studi VZ? Was war das nochmal? Das braucht man heute nicht wirklich:Für das Bizz gibt es Xing und für das Private Facebook

  3. 3 Teresa Mai 14, 2008 um 8:47 Uhr nachmittags

    Zum Teil bin ich durchaus deiner Meinung, dass ein paar neue Applikationen Studivz nicht schaden würden! Allerdings finde ich, kann man sich eine Dating-Applikation durchaus sparen. Ich wäre Studivz sehr dankbar, wenn es nicht so zugemüllt wird wie Facebook!!
    Der Newsfeed wäre allerdings tatsächlich ne super Sache, genauso wie “Leute, die du vielleicht kennst”!
    Ich nutze Facebook und Studivz und bin bei Studivz wesentlich aktiver, was auch daran liegt, dass man nicht von Applications zugedonnert wird! Und es wäre schön, wenn das so bleibt!

  4. 4 Martin Mai 15, 2008 um 7:27 Uhr vormittags

    “…Auch die studiVZ Community zeige sich offen für neue Applikationen und Widgets, die von dritter Seite kommen. “Letztlich werden sich aber vor allem jene Anwendungen durchsetzen, die wirklich zu studiVZ passen und unseren Mitgliedern einen echten Mehrwert bieten…” (ds.de)

    bedeutet: Abkehr von der alten Lösung (”Wir bestimmen, welche Apps wir als gut für die studiVZ User erachten” ;) zur Massenweisheit (starke Apps setzen sich von alleine durch).

  5. 5 unnikuttan Mai 15, 2008 um 8:30 Uhr nachmittags

    mag sein, aber studi ist mir zu kommerziell geworden. nun vermarkten sie noch aktiv die persönlichen daten.

  6. 6 Silanea Mai 27, 2008 um 10:06 Uhr vormittags

    “Ein ‘Google AdWords’ :-) Google hatte damals auch ein geniales Produkt: Suche. StudiVZ und Facebook haben auch ein geniales Produkt. Aber beide bzw. kein Social Network hat bis jetzt sein Goolge Adwords. Also der Knaller der ein Social Network so viel Umsatz bringt, dass man sagen könnte Facebook ist das neue Google.”

    Wie meinen? Soll StudiVZ Adwords bei Google schalten, oder was genau meinst du mit diesem Abschnitt?

    Zu den anderen Punkten folgendes: StudiVZ ist für mich genau wie Lokalisten eine Möglichkeit, Freunde und Bekanntschaften auf einem Haufen zusammenzubringen - eine Art Adressbuch deluxe. Das Praktische daran ist die Möglichkeit, Leute aus dem “Dunstkreis” meiner Freunde zu erreichen, die ich nur ein- oder zweimal irgendwo gesehen habe, aber mit denen ich keinen festen Kontakt pflege. _Neue_ Menschen kennen zu lernen ist für mich dort absolut nachrangig.
    Aus Gesprächen mit meinem Freundes- und Bekanntenkreis weiß ich, dass dort genauso gedacht wird.

    Für eine Social-Networking-Kultur amerikanischer Ausprägung sehe ich hier in Deutschland - und Europa allgemein - keine allzu großen Chancen. Der Web 2.0- und UGC-Hype ist hierzulande ja (Gott sei Dank) recht schnell ausgebremst worden. Dem Social Web wird es auf lange Sicht nicht anders ergehen wenn es nicht schleunigst andere Existenzgründe als “Lerne neue Leute kennen, erfahre was sie einkaufen und verschwende deine Zeit auf Selbstdarstellung.” vorbringen kann.

    Einfaches Beispiel: Im StudiVZ fehlt eine sinnvolle Möglichkeit, Übungsgruppen zu einzelnen Studienveranstaltungen zu gründen. Man bräuchte dazu ein etwas feingliedrigeres Gruppenmanagement, einen Terminplaner mit Zu- und Absagemöglichkeit und Benachrichtigung und eine Möglichkeit, Übungsblätter etc. zu verteilen und vielleicht sogar abzugeben. Kein großes Ding für ein paar fähige Softwareentwickler, aber endlich ein Alleinstellungsmerkmal.

    Von Dingen wie einem vom E-Mail-Client aus zugänglichen Adressbuch mit allen eigenen Kontakten mal ganz zu schweigen.

  7. 7 Norman Mai 27, 2008 um 10:17 Uhr vormittags

    Zu deiner Google Adwords Frage:
    Beispiel Google:
    - Suche (kostenlos)
    - Monetarisierung der Suche über Google Adwords (gigantisch)

    Fall StudiVZ:
    - Socual Network (kostenlos)
    - Monetarisierung über Standardwerbung (nicht gigantisch). Es fehlt die zündende Idee, dem Benutzer eines Social Networks die Werbung zugänglich zu machen.

    Im Blog von Holger Schmidt kann man ein Interview mit Eric Schmidt (Google CEO) lesen. Dort geht er auch auf die Frage ein:

    FAZ: The share of the social networks in the online advertising market is very small. Which role will social networks play in the future?

    Eric Schmidt: It is obvious that people spend a lot of time in social networks. I believe there will be some new advertising products, that will work, but I don’t think they are invented yet. We and others are working on social advertising products.

    FAZ: Which sort of social advertising do you mean?

    Eric Schmidt: The advertising has to be more entertaining, more interesting, more immersive compared to what we have today. That is my opinion. We are not there yet but I am optimistic that it could work very well. What it needs to get there - trial and error. That´s the way we do it at Google.

    http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2008/05/26/eric-schmidt.aspx

  8. 8 Silanea Mai 27, 2008 um 12:09 Uhr nachmittags

    Ah, danke für die Erklärung.

    Ich bin jedenfalls gespannt wohin die Reise geht.

  1. 1 Basic Thinking Blog | Befindlichkeitsbloggen Trackback zu Mai 14, 2008 um 10:09 Uhr vormittags
  2. 2 ritman.de » StudiVZ bald noch Facebook ähnlicher Trackback zu Mai 14, 2008 um 11:18 Uhr vormittags
  3. 3 Warum sind… « Rabby’s Weblog Trackback zu Mai 15, 2008 um 3:29 Uhr nachmittags

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